German International School of Silicon Valley

 

The Best of Two Worlds:
Digitale Technologie als Katalysator für Unterrichtsentwicklung

Unser letzter Schulbesuch ist der German International School of Silicon Valley (GISSV), der einzigen anerkannten deutschen Auslandsschule an der Westküste der USA gewidmet. Die GISSV bietet allen Kindern vom Kindergarten bis zum Abitur einen durchgängig bilingualen Bildungsgang. Deutsch und Englisch werden auf muttersprachlichem Niveau unterrichtet, Spanisch, Französisch und Latein können als weitere Fremdsprachen belegt werden. Die Schule bietet neben den deutschen SI Abschlüssen das „Deutsch Internationale Abitur“ (DIA) mit einer speziell für deutsche Auslandsschulen entwickelten Prüfungsordnung, in der 50% der Leistungsnachweise in der Landessprache erbracht werden können. Wer das DIA besteht, darf in Deutschland in seinen kostenfreien Universitäten und Fachhochschulen studieren, egal, welchen Pass sie oder er in Händen hält – ein großer Motivationsfaktor für viele Familien, die zunächst keine Verbindungen zu Deutschland haben, sich für die GISSV mit den ohnehin moderaten Schulgebühren von ca. USD 25.000 USD (Harker verlangt USD 47.000, Alt USD 37.000, die Khan Lab School USD 35.000) zu entscheiden.
Das deutsche Curriculum mit seiner Fächervielfalt gilt unter den amerikanischen Universitäten als exzellent, wer bei seiner Bewerbung 12 Fächer angibt, kommt bereits sehr weit auf der Grade Point Average (GPA) Skala. Die sog. „Acceptance Rate“ der Schule liegt sehr hoch, unter den aufnehmenden Universitäten findet man Stanford University, Berkeley, Davis, Santa Cruz und namhafte Universitäten in Deutschland und Europa. In diesem Jahr wurde ein Schüler der Schule für ein National Merit Scholarship vorgeschlagen. In diesem Bereich spielt die GISSV mit ihrer bald durchgängig zweizügigen Oberstufe in der Liga der Harkers und anderen prestigeträchtigsten High Schools der USA gut mit.
Wie Harker, ist auch die GISSV eine „Independent School“, akkreditiert durch die Western Association of Schools and Colleges und die California Association of Independent Schools (CAIS). Damit stehen den Schülern der Schule die Tore in den USA und weltweit offen.
Wir werden vom neuen Schulleiter, Michael Koops, seinem stellvertretenden Schulleiter, Sebastian, Geus und der Koordinatorin der Oberstufe Jenny Jungebluth begrüßt und in eine kleine Multifunktionshalle geführt, die der chinesischen Schule, mit der sich die GISSV den Campus teilt, als Mensa dient und in der alle Schulveranstaltungen sowie der Sportunterricht der GISSV stattfinden. Alles ist sehr gepflegt und freundlich, allerdings ist offensichtlich, dass das Raumprogramm der Schule mit ihren Containerbauten alles andere als luxuriös ist. Die Schulgemeinde der GISSV tröstet sich damit, dass im Valley viele große Entwicklungen in Garagen ihren Ursprung fanden.
Auf unserem Schulrundgang werden wir zunächst von Kindern des Kindergartens und der Grundschule, die im vorderen Teil des Campus, unterrichtet werden, willkommen geheißen. Die Middle und High School sind im hinteren Teil des Geländes untergebracht. Wir haben die Gelegenheit, drei Unterrichtssequenzen zu besuchen: Englisch, Klasse 12 mit Frau Jungebluth Economics, Klasse 10 mit Herrn Lenzen und ein Informatik Kurs der Sekundarstufe I unter der Leitung von Herrn Geus.
In der Englisch- und Economicsstunde kommt die an der GISSV vor 5 Jahren entwickelte Lernplattform eSchool21/NERDL zum Einsatz. Wir beobachten Gruppenarbeit auf der Plattform, auf der Schüler ihre Unterrichtsergebnisse auf sog. „Spaces“, vergleichbar einen WIKI, mit anderen teilen. In Economics sehen wir differenzierte Gruppenarbeit auf verschiedenen Niveaustufen – alles wird auf der Plattform verwaltet, bearbeitet und für alle sichtbar zusammengeführt. Frau Jungebluth berichtet, dass Lehrer  eSchool21 als Unterrichtsdesignwerkzeug benutzen, das ihnen verschiedenste Möglichkeiten gibt, didaktisch methodische Szenarien quasi auf Knopfdruck für ihren Unterricht zu realisieren.
Manche Arbeitsaufträge sind mit Google docs verlinkt, das beliebteste und am meisten verbreitete Kollaborationstool in den Klassen 5 bis 12.

Als deutsche Pädagogen fühlen wir uns im Unterricht der GISSV sogleich zu Hause und wir sind beeindruckt, wie die Technologie die Zusammenarbeit und das Lernen im Hintergrund unterstützt, ohne zum Selbstzweck zu werden. In der Einführung erfahren wir, dass eSchool21 künftig von Klasse 5-12 zum Einsatz kommen soll und , es als elektronisches Klassenbuch dient.
Ein wichtiges Anliegen von eSchool21/NERDL ist es , so berichten der stellv. Schulleiter Herr Geus und Frau Jungebluth, den Schülern auf verschiedensten Niveaustufen, die Möglichkeit zu geben, ihren Kompetenzerwerb selbstständig zu überprüfen und einzuschätzen. Dazu wurde eigens ein Quiz und Test Modul entwickelt, das z.B. 1400 Fragen und Aufgaben aus der Mathematik, die sich auf alle Bereiche des Kernlehrplans beziehen, enthält. Herr Geus führt das seit Jahren überdurchschnittlich gute Abschneiden der GISSV Schüler in den zentralen Klassenarbeiten Mathematik u.a. auf die Unterstützung durch eSchool21/NERDL zurück. Die Schüler berichten uns, dass sie die Vorteile der Plattform vor allem in der Transparenz sehen – sie können anhand des Stundenplanes, der Bibliothek, der Spaces und ihrer Lernwelt alle Unterrichtsszenarien nachvollziehen und haben immer die Gelegenheit, auf diese Weise Lernstoff mit anderen zu teilen aber auch individuell zu wiederholen und zu festigen.
Im Informatikunterricht der Klasse 7, der von Herrn Geus unterrichtet wird, sehen wir Programmierleistungen auf verschiedensten Niveaus. Die Schüler sind sichtbar stolz auf das Gelernte und Erarbeitete und wir haben Mühe, unseren Zeitplan einzuhalten, denn es gäbe noch sehr viel mehr von den Schülern zu erfahren.
In der Schlussrunde lässt der Schulleiter, Michael Koops, Schüler zu Wort kommen, die ein bemerkenswertes Projekt zu AI (Artificial Intelligence) zusammen mit einer Schule aus den Niederlanden durchgeführt haben. AI Experten aus der Elternschaft der GISSV und Experten von außerhalb der Schule haben mit Schülern gearbeitet, Chancen, Zukunftsentwürfe und Herausforderungen diskutiert und diese mit den niederländischen Schülern gemeinsam aufbereitet. So entstand eine Website und ein Video, das mit Hilfe des Google Drive gemeinsam bearbeitet wurde. Wir waren sehr beeindruckt von der Souveränität der präsentierenden Schüler und vor allem von der hervorragenden Qualität der Website und der Videos. Die Schüler berichten, dass sie Trello Boards, Slack, wix.com und den Google Drive einsetzen, um sich zu koordinieren und die Ergebnispräsentationen zu veröffentlichen. Über die notwendigen Anwendungskompetenzen verfügen die Schüler, die Lehrer an der GISSV brauchen sie zur technischen Bewältigung der Aufgaben nicht, wohl aber zur Erarbeitung der inhaltlichen und fachlichen Tiefe der Projektgegenstände.
Michael Koops betont, wie wichtig es ist, die Potentiale der Schüler zu erkennen und diese zu fördern, dazu ist es notwendig, dass Lehrer ihre Rollen als Begleiter, Förderer und Coaches wahrnehmen, Innovation zulassen und die Schule ins Umfeld des Silicon Valley öffnen.
Die Ausstattung der Schule spiegelt die Vielfalt der digitalen Welt um sie herum: Laptops in der Grundschule, IPads in Klasse 5-6, BYOD in den Klassen 7-12 unter bestimmten Vorgaben. Der Fokus liegt auf web basierten Anwendungen, und auf Plattformen, die der Kollaboration auf allen Ebenen dienen. Die pädagogischen Ziele der Schule stehen im Zentrum, die Technik hat die Aufgabe zu unterstützen und Wirkungen zu augmentieren, wo auch immer es sinnvoll erscheint. An der deutschen Schule wurde das High Tech Umfeld des Silicon Valley zum Katalysator von Unterrichts- und Schulentwicklung. Vom Economics Lehrer, Herrn Lenzen, der erst seit einem Jahr an der Schule unterrichtet, erfahren wir, dass die Anwendungshürden der digitalen Werkzeuge auch für Kollegen, die aus der Digitalwüste deutscher Schulen ins Ausland kommen, durch gezielte Fortbildungen, Hilfestellungen und kollegiale Kooperation schnell überwunden werden können.
Ähnlich wie in der Alt School, wurde das Lernmanagementsystem in der Laborsituation der Schule gemeinsam mit Kollegen, Schülerinnen und Schülern entwickelt, da die Programmierer vor Ort sind und der Projektleiter, Herr Geus, als Kollege in der Schule arbeitet, kann das Programm flexibel auf die Bedürfnisse des Systems reagieren und können immer wieder neue „Feautures“ integriert werden.
Für uns hat die GISSV als deutsche Schule eine überzeugende Antwort auf die High Tech Herausforderungen der Umgebung gefunden. Das Beste aus Zwei Welten, so die Website, kommt hier zusammen: Grundsolides, fachliches, methodisches und didaktisches Handwerk von sehr gut ausgebildeten deutschen Pädagogen, höchste von der KMK gesicherte curriculare Standards und ein sehr dynamisches Umfeld, das Innovation fordert und fördert, keine Grenzzäune errichtet, Fehler zulässt und sich bedingungslos der Aufgaben verschreibt, unsere Schüler zur Gestaltung der Welt des 21. Jahrhunderts zu befähigen. Die deutsche Auslandsschule GISSV könnte Modell für viele Schulentwicklungsvorhaben im Bereich der Digitalisierung in Deutschland werden – die Investition der Bundesrepublik in den Aufbau der GISSV würde sich um so mehr auszahlen – davon sind wir überzeugt.

(Informationen zu eSchool21/NERDL finden sie auf der Seite http://www.unterrichtdigital.com unter dem Menu NERDL sowie unter http://www.nerdl.de)

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